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Von wegen «Casa – fair»
Schlusspunkt im Casanostra, der Verbandszeitschrift von casafair
Meine «Casa» ist überhaupt nicht «fair».
Das fängt schon beim Eingang an. Kaum will ich rein, stellt sich mir das Haus entgegen. Die Türe harzt und knarzt und will mir den Eintritt verwehren. Aus dem Yogaraum im Parterre hätte ich allenfalls ein sanftes Om erwartet, stattdessen dröhnt mir Hardrock entgegen. Das gibt es tatsächlich: Hardrock-Yoga –ausgerechnet in meinem Haus… Das könnte man ja noch mit einem Grinsen wegstecken, doch als nächstes werde ich blöd angemacht. Die Dielen quietschen, die Treppe knurrt und knarrt, wenn ich auf die Stufen trete. Und blank getreten wie sie sind, wollen sie mich gleich wieder in den Abgrund werfen. Im letzten Moment wehre ich den Angriff ab, nur um im ersten Stock von Finsternis empfangen zu werden. Eigentlich gäbe es da lichte Fensterfronten und Glastüren, aber nein, die sind mit schweren Vorhängen verhängt. Nun ja, bei der Einrichtung darf man den Mietern ja nicht gross dreinreden. Wenigstens ist das Gäste-WC blitz-blank geputzt, das bringt ein wenig Licht ins Geschehen und lässt Hoffnung aufkommen auf ein herzliches Willkommen im zweiten Stock. Fehlanzeige. Da werden mir Papierkram und ungeöffnete Post entgegengeschleudert. Das Öffnen der Post macht es nur noch schlimmer, denn da steht, dass meine Casa auch noch Steuern generiert – und das nicht zu knapp.
Im dritten Stock schliesslich stinkt es gottserbärmlich. Da wurde nicht gebraten und nicht geröstet, sondern verkohlt. Den Rauch zieht sich mein Haus voll Freude rein und stinkt mir hämisch aus allen Ritzen noch tagelang entgegen.
Deshalb ergreife ich die Flucht nach oben, um mich zur Ruhe zu begeben, doch da empfängt mich ein Trommelwirbel. Der Regen prasselt aufs Dach, der Wind zieht durchs Gebälk.
Na ja, Du altes Haus, hast halt Jahrgang 1650, da muss man eben etwas Nachsicht üben.
Um den Namenswechsel von «Hausverein» zu «Casafair» bin ich allerdings schon froh. Denn stellen Sie sich erst vor, wenn mein «Haus» im «Verein» auf mich losgegangen wären…
 
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